DIE GÜTERBAHNEN appellieren an den Verkehrsausschuss des Bundestags, die eskalierenden Probleme im Schienennetz auf die Tagesordnung zu setzen. Er sollte Verkehrsminister Patrick Schnieder zur nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch einladen, um Antworten auf die drohenden Schäden für Güterverkehr, Industrie und Lieferketten einzufordern. Bereits seit Himmelfahrt spielen sich auf dem deutschen Schienennetz für den Güterverkehr immer absurdere Szenen ab, Umsatzverluste und Mehrkosten in Millionenhöhe bedrohen die Existenz der Unternehmen.
Peter Westenberger, Geschäftsführer der GÜTERBAHNEN: „Die Industrie leidet bereits unter Herzrhythmusstörungen. Stahlwerke haben wegen zu geringer Rohstofflieferungen die Produktion drosseln müssen. Industrie und Handel stehen harte Zeiten bevor, wenn Verkehrsminister und Parlament jetzt nicht handeln. Die DB InfraGO pflügt den Acker um, ohne sich darum zu kümmern, ob danach noch etwas wächst. Schlimmstenfalls transportieren am Ende die Kunden wieder mit dem Lkw und es fahren weniger Züge als vorher.“
Symptomatisch ist die Odyssee des Güterzugs 88897, der am 27. Mai vom Hamburger Hafen nach Nürnberg fahren sollte: Er brauchte für die Strecke insgesamt sechs Tage, da er von der DB InfraGO zunächst in Richtung Kassel umgeleitet wurde, dort wegen einer weiteren Sperrung und einer Dienstzeitüberschreitung des Lokführers mehrere Tage abgestellt werden musste und schließlich zurück nach Hannover geschickt wurde, um dort endlich auf einen üblichen Weg in Richtung Nürnberg gebracht zu werden.
Westenberger: „Die DB InfraGO ist nicht mehr in der Lage, einen halbwegs geordneten Betrieb zu gewährleisten. Die Auswirkungen sind in halb Europa spürbar. Grund sind zu viele schlecht koordinierte Baustellen, zu denen sich immer mehr Störungen von Signalen, Weichen, Oberleitungen und fehlende Fahrpläne gesellen. Bis zu fünf Stunden vor einem roten Signal zu warten, ist zerrüttend. Die Beschäftigten des Schienengüterverkehrs arbeiten an der absoluten Belastungsgrenze und fühlen sich mit den Problemen allein gelassen.“
Neben dem bekannt hohen Sanierungsbedarf vermuten DIE GÜTERBAHNEN hinter der Baustellenflut auch einen hohen Druck der Bundesregierung auf die DB InfraGO, Mittel zu verausgaben.
Westenberger: „Leider verfügt Deutschland anders als die Schweiz nicht über eine stabile Finanzierung der Infrastruktur. Der Bund muss Ruhe und Effizienz in das System bringen. Neben stabiler Finanzierung braucht es Steuerung und Kontrolle.“
Momentan ist jedoch das Gegenteil der Fall: der Bund schaut weg. Manche Sperrungen und die Flut an gleichzeitig stattfindenden Einzelmaßnahmen sind für DIE GÜTERBAHNEN schwer nachvollziehbar, da Warnungen der Praktiker:innen im Schienenverkehr vorhersehbar im Fiasko enden. In den letzten Jahren gab es häufig ähnliche Chaos-Zeiten, oft auch ausgelöst durch bauintensive Phasen an Feiertagen. Auch in den letzten zweieinhalb Wochen, in denen vor allem die verlängerten Bauarbeiten Hamburg – Berlin, die Teilsperrung zwischen Hamburg und Hannover sowie größere Sperrungen in Bayern nationale und europäische Lieferketten stören, hat sich das Risiko fehlender Erzreserven und leerer Futtermittelwerke insgesamt erhöht.
Das Schreiben an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder finden Sie hier.

Leiterin Kommunikation
morling@netzwerk-bahnen.de
+49 30 5314 9147-1
+49 151 555 081 83