Bei der Erneuerung des bestehenden Schienennetzes bleibt die Deutsche Bahn ihren Fahrgästen und Kunden des Güterverkehrs weiterhin die notwendige Balance zwischen Bauen und Fahren schuldig. Am vergangenen „Wechselwochenende“, an dem sich verschiedene Sanierungsgroßprojekte der DB InfraGO störanfällig überschnitten oder nahtlos hintereinandergeschaltet wurden, war viel Improvisationstalent und Geduld nötig. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder spricht immerhin über Organisationsdefizite bei den Sanierungen. Von der versprochenen Überprüfung des Konzepts, die sowohl im Koalitionsvertrag als auch in verschiedenen Wortbeiträgen angekündigt wurde, ist bisher jedoch nichts zu sehen.
Peter Westenberger, Geschäftsführer der GÜTERBAHNEN: „Eine transparente Aufarbeitung, warum die gegebenen Versprechen zu Terminen, Maßnahmenumfang, Kosten und Baufreiheit zahlreich gebrochen werden, ist das Gebot der Stunde. Während die DB InfraGO schon eine vollmundige Kommunikationskampagne zur Korridorsanierung hochfährt, schaut Deutschland ihrem alltäglichen Scheitern in Serie zu. Vollsperrungen für gebündeltes Bauen sind nicht per se falsch. Doch sie brauchen operative Exzellenz – und definitiv keine nachlaufenden Zusatzsperrungen für zu spät gelieferte Anlagen, Funktionskontrollen, Verdichtungsfahrten, immer noch notwendige Baumaßnahmen oder übersehene Probleme. PR und Kunden-Informationen nützen nichts, wenn die Managementprobleme nicht behoben werden.“
Bisher hat die DB InfraGO drei von fünf Korridorsanierungen nicht zum jeweils ursprünglichen Eröffnungstermin mit allen Komponenten in Betrieb genommen. Die Kommunikationspannen kurz vor dem Start der drittgrößten Korridorsanierung am „Rechten Rhein“ (Wiesbaden–Troisdorf) verstärkten den Eindruck einer überforderten Infrastrukturbetreiberin:
Westenberger: „Wenn bei Gesamtsanierungskosten in Milliardenhöhe am Wiedereröffnungstag nur B-Ware an den Verkehr übergeben wird, läuft etwas grundfalsch. Dennoch will die DB InfraGO von der ‚Gemeinschaftlichen Konzeption des Bauprogramms‘, die von Schnieders ‚Taskforce zuverlässige Bahn‘ beschlossen worden war, nichts wissen. Nach den jüngsten Kontrollverlusten muss der Bund dies durchsetzen und ein unabhängiges Bundesamt für Schieneninfrastruktur (BASchi) einrichten, um die Infrastrukturbetreiberin zu steuern.“

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