Logistikprobleme, Insolvenzen und politischer Dauerärger drohen nach Einschätzung des Verbandes DIE GÜTERBAHNEN, wenn das Bundesverkehrsministerium bei der laufenden Überprüfung und Neuordnung der sogenannten Korridorsanierungen im Schienennetz zu früh den Sack zumacht. Ohne vorherige Einbeziehung der Eisenbahnverkehrsunternehmen und ihrer Kunden aus der verladenden Wirtschaft sollen nach Kenntnis des Verbandes final Eckpunkte nur mit der Deutschen Bahn festgelegt werden. Kernelement des geplanten Redesigns könnte eine erneute Verringerung der jährlichen Korridor-Vollsperrungen auf zwei bis drei sein. Anfangs waren bis zu neun, seit 2025 noch vier mehrmonatige Sperrungen pro Jahr angekündigt.
Vor der geplanten Finalisierung pocht der Verband nun auf eine „Gemeinschaftliche Konzeption des Bauprogramms“.
„Bundesverkehrsminister Steffen Bilger muss bei der Neuordnung des Bauprogramms rechtzeitig diejenigen mitnehmen, die die Folgen des Bauens immer häufiger in Form von ausfallenden Zügen, bedeutenden betrieblichen Mehrkosten und Frust als Kunden und Personale tragen müssen“, sagt GÜTERBAHNEN-Geschäftsführer Peter Westenberger.
Für den Verband geht die Überlegung über künftig zwei oder vier Korridorsanierungen pro Jahr am Kern des Problems vorbei. Bei rund 26.000 Baustellen jährlich ist nicht die Zahl der Korridor-Vollsperrungen entscheidend. Die notwendige Balance zwischen notwendigem Bauen und notwendigem Fahren muss durch bessere Abstimmung aller Baumaßnahmen geschaffen werden. Es geht um bessere Planung von Baustellen und Umleiterstrecken und eine intensivere Nutzung der baubedingten sogenannten Sperrpausen.
Mit dem Beginn der ultralangen und verkehrlich nicht ausreichend vorbereiteten Sperrung der Strecke Lehrte–Berlin ab dem kommenden Wochenende wird erneut sichtbar, wie stark einzelne Großbaustellen mit dem gesamten Baugeschehen im Netz in Wechselwirkung stehen, wenn Nahverkehrszüge hunderte von Kilometern entfernt wegen notwendiger Umleiterverkehre ausfallen sollen. Für DIE GÜTERBAHNEN unterstreicht das vor allem eines: Entscheidend ist eine wirksame Steuerung des gesamten Bauprogramms – nicht allein die Festlegung der Zahl künftiger Korridorsperrungen.
Dazu existiert der politische Auftrag bereits. Die vom Bundesverkehrsministerium Ende 2025 gestartete Taskforce „Zuverlässige Bahn“ hat mit Maßnahme 13 ausdrücklich eine „Gemeinschaftliche Konzeption des Bauprogramms“ beschlossen. Bund, Länder, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Aufgabenträger, Verbände und DB InfraGO hatten diesen Ansatz gemeinsam entwickelt. Aus Sicht des Verbands muss das Bundesverkehrsministerium diesen Auftrag nun auch bei der laufenden Überarbeitung konsequent umsetzen.
DIE GÜTERBAHNEN haben dem Bundesverkehrsministerium 29 konkrete Vorschläge übermittelt. Sie reichen von verlässlichen Umleiterkonzepten über verbindliche Ausrüstungs- und Layoutstandards bis zur Einhaltung zugesagter Sperrzeiträume, Baufreiheit sowie höherer Zeit- und Kosteneffizienz. Der Verband versteht diese Vorschläge als konstruktiven Beitrag für eine praxistaugliche Neuordnung der Netzsanierung.
„Der Bundesverkehrsminister darf das nicht ignorieren. Er muss die Ergebnisse der laufenden Überarbeitung transparent machen, die Erfahrungen aus den bisherigen Korridorsanierungen systematisch auswerten und die betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie die verladende Wirtschaft verbindlich an der Überarbeitung beteiligen“, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer von DIE GÜTERBAHNEN, und warnt, dass Bilger bei einem Schnellschuss mit jahrelangem Dauerärger von Schienenkunden und Politik rund um jede Baustelle rechnen muss.

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